Die goldenen 20er



Was macht die 1920er Jahre so besonders, dass dieses Jahrzehnt heute noch ein starkes Interesse hervorruft? Diese Jahre werden gerne als „wild“ und „golden“ bezeichnet, aber sind diese Worte auch zutreffend?
In politischer und wirtschaftlicher Hinsicht waren die 20er Jahre sicherlich wild. Verschiedenste politische Gruppen mit unterschiedlichsten Ideologien boten sich bis 1923 Kämpfe um die Macht über ein führungsloses Deutschland, welche nicht nur verbal ausgetragen wurden, sondern meist in Straßenschlachten endeten, wie es vor allem in Berlin üblich war, da hier das politische Zentrum Deutschlands lag. Auch die Wirtschaft war, bis auf die wenigen Jahre zwischen 1923 und 1929, unbeständig.
Die große Inflation stellte bis 1923 die Gesellschaft auf den Kopf, da viele ihr gesamtes erspartes Vermögen verloren. Viele Reiche wurden bettelarm, andersherum konnte in dieser Zeit so mancher durch Aktienspekulationen ausschweifend leben und rauschende Feste feiern. Ab 1929 übernahm die Weltwirtschaftskrise diesen Posten, nur dass es diesmal nicht möglich war, sein Vermögen durch Aktien zu retten.
Diese Krisen waren allerdings auch Voraussetzung für das, was man als „golden“ bezeichnen kann. Deutschland konnte sich aus der Enge der Monarchie befreien, die Menschen konnten freier leben. Sicherlich konnte nicht jeder etwas mit dieser neuen Freiheit anfangen, viele wünschten sich gar die Monarchie zurück, da die neue Freiheit für sie kein Geschenk war, sonder innere Leere bedeutete, aber diejenigen, die es verstanden, sich ihr Leben selbst zu gestalten, erschufen ein kulturelles Umfeld, welches auf uns so modern wirkt, dass man es nur schwer glauben kann, dass diese Zeit schon 80 Jahre zurückliegt. Kunst, Malerei, Musik, Film und Architektur erklommen eine neue, und manchmal sogar, ähnlich dem Bauhausstil, eine zeitlose Ebene. Frauen bekamen ein neues, selbstsicheres Auftreten und Selbstbewusstsein. Das großstädtische Leben war multikulturell. Es gab wilde und ausschweifende Tanzabende, denn die Menschen feierten einerseits um das Vergangene zu vergessen, andererseits wussten die Menschen wie schnell sich die Zeit ändern konnte und das Leben wieder von Krisen bestimmt werden kann, obwohl die Zeit 1923 bis 1929 durch die Politik des Außenministers Stresemann die stabilste und ruhigste seit langem war.

Freiheit, Feiern und Kultur: dies zusammen verbindet sich zu den „wilden“ und „goldenen“1920er Jahren in Deutschland.

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